Open Access ist derzeit die naheliegendste Antwort auf eine schwierige Bilanzrechnung, und das zu Recht. Ein Netz, das mehrere Marken vermarkten, erreicht wahrscheinlich schneller eine wirtschaftliche Auslastung, als es ein einzelner Anbieter je könnte. So weit, so vernünftig.

Was Open Access für den Kunden bedeutet

Nur merkt der Kunde von dieser Rechnung wenig. Er sieht mehrere Flyer im Briefkasten, alle mit ähnlichem Versprechen und unterschiedlichen Logos. Er bestellt bei der Marke, die ihm am besten gefällt, und ruft bei einer Störung genau diese Marke an. Die Marke wiederum weiß selbst nicht immer sofort, ob das Problem beim eigenen Kundenservice liegt oder beim Netzbetreiber, dessen Infrastruktur sie nur mietet.

Wie verbreitet ist Open Access in Deutschland wirklich?

Ganz so verbreitet ist dieses Szenario aktuell noch nicht. Laut der Open-Access-Studie 2025 von Böcker Ziemen laufen erst rund 17 Prozent der verfügbaren FTTB/H-Anschlüsse in Deutschland über echte Kooperationsmodelle. Die meisten Netzbetreiber vermarkten noch exklusiv. Genau das macht die Frage jetzt relevant. Wo Open Access wächst, wächst die Zuständigkeitsfrage mit, und bislang gibt es dafür kaum etablierte Standards.

Die eigentliche Frage: Wer ist zuständig?

Für den Kunden gibt es aber nur eine Wahrheit: Sein Anschluss funktioniert oder er funktioniert nicht. Wer als Netzbetreiber die eigene Wholesale-Strategie als reine Angelegenheit zwischen Unternehmen behandelt, hat die Konsequenz für den Endkunden übersehen, die am Ende doch bei ihm landet, als schlechte Bewertung für ein Netz, das er zwar nicht selbst vermarktet, aber sehr wohl betreibt.

Die Lösung: ein verbindliches SLA

Konkret heißt das nicht, dass Vodafone, 1&1 und ein Infrastrukturbetreiber sich künftig dieselbe Hotline teilen, das würde keine der Marken mitmachen, und das ist auch nicht der Punkt. Der Punkt ist die Schnittstelle im Hintergrund: ein verbindliches SLA zwischen Netzbetreiber und jedem einzelnen Diensteanbieter, das genau regelt, binnen welcher Frist ein Netzproblem, das ein Diensteanbieter nicht selbst lösen kann, an den Netzbetreiber eskaliert wird, und umgekehrt, wie schnell der Netzbetreiber zurückmeldet. Jede Marke behält ihren eigenen Kundenkontakt, aber keine Marke muss mehr rätseln, wen sie intern anrufen soll.

Aus 'wir wissen selbst nicht, ob das unser Problem ist' wird 'wir eskalieren das automatisch, Antwort innerhalb von X Stunden'. Aus Unsicherheit im Hintergrund wird ein Prozess, den der Kunde nie zu sehen bekommt, weil er einfach funktioniert.

Machen statt Meinen.